Trümmer, Träume, Neues Leben - Sachsen nach dem Krieg

Geschichten gegen das Vergessen der Nachkriegszeit


Trümmer, Träume, Neues Leben - Sachsen nach dem Krieg

So viel Not, so viel Zweifel, so viel Hoffnung "Trümmer, Träume, neues Leben" vermittelt ein lebendiges und berührendes Bild von Sachsen nach dem Krieg Von Matthias Zwarg Chemnitz. Werner Lachmann war in Auschwitz - jedoch nicht als Häftling des Konzentrationslagers. Gerade 16 Jahre alt, geriet er nach dem Krieg in sowjetische Gefangenschaft und musste Teile der Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Monowitz mit abbauen. Erlebnisse, die sich ihm tief ins Gedächtnis gebrannt haben. "Er schreckt noch heute bisweilen nachts aus dem Schlaf." Nachzulesen in dem ab heute erhältlichen Buch aus dem Chemnitzer Verlag "Trümmer, Träume, neues Leben: Sachsen nach dem Krieg". Monatelang haben die "Freie-Presse"-Redakteurinnen Eva Prase und Kristina Hofmann zusammen mit dem Fotografen Ulf Dahl Zeugen jener Zeit aufgespürt und nach ihren Erinnerungen an die Nachkriegszeit befragt. Entstanden ist ein Buch, das ein lebendiges Bild der Jahre 1945 bis etwa 1949 zeichnet. Der Krieg war nach Deutschland zurückgekehrt. Leid, wie es Deutsche in der halben Welt verursacht hatten, traf nun die Deutschen selbst. Zerstörte Wohnungen und Häuser, kaum Lebensmittel, viele Männer in Gefangenschaft. Es ist die Zeit der Not, der Verzweiflung und des Zweifels, der Hoffnungslosigkeit. Aber das Leben muss weitergehen, und es geht weiter. Es ist auch die Zeit der Hoffnung, der Träume von einem friedlichen Leben. In sechs Kapiteln zeichnen die Autorinnen erlebte Geschichte dieser Jahre nach. Da ist Leopoldine Wagner aus Freiberg, die sich in der Nazi-Zeit ihre christliche Menschlichkeit bewahrt hatte, Zwangsarbeiterinnen und Jüdinnen der KZ-Außenlager half, und die nach dem Krieg etwas von jener Menschlichkeit zurückbekommt. Da ist die Krankenschwester Ilse Thierbach, die nach dem Dienst in der Klinik Ziegelsteine klopft, die Chemnitzer Ärztin Gertrud Korb, die sich an eine komplizierte Operation im noch zerstörten Krankenhaus wagt und Erfolg hat. Da sind Lore und Helmar Lesch, die als Neulehrer die "Zeit des Aufbruchs", wie sie sagen, mitgestalten. Der Dichter Reiner Kunze erzählt, wie ihn auch Zufälligkeiten jener Zeit geprägt haben; der Maler Will Schestak erinnert sich daran, wie er 1948 den "Kannibalen vom Sonnenberg" im Gerichtssaal zeichnete. Die heute weithin berühmte Eiskunstlauftrainerin Jutta Müller berichtet von ihren Anfängen als "Untermann" in einer Rollschuhnummer, Wolfgang Leonhard beschreibt die Anfänge der Stalinisierung der späteren DDR. In 40 mit vielen Fotos und Dokumenten bebilderten Geschichten aus ganz Südwestsachsen gelingt es den Autorinnen, Geschichte sehr gegenwärtig darzustellen, in dem sie die persönlichen Erinnerungen ihrer mehr oder weniger berühmten Gesprächspartnerinnen und -partner als etwas Wertvolles, Bewahrenswertes behandeln, das wissenschaftliche Geschichtsschreibung nicht ersetzt, aber auf berührende Weise ergänzt und bis in unsere Tage führt. Träume und Hoffnungen, selbst geleistete und erfahrene Hilfsbereitschaft von damals sind für viele noch heute ein Maßstab. Was nur zeigt: Geschichte ist nicht tot und nicht vergangen, sie lebt fort in den Menschen, ob sie es wollen oder nicht, ob sie um die Geschichte wissen oder nicht. Wenn sie aber wissen, dann muss sich unselige Geschichte nicht, dann können sich glückliche Momente der Geschichte sehr wohl wiederholen. Oder, wie es André Heller singt: "... ich will, dass ihr es wisst, / denn man kann nur Lehren ziehen / aus dem, was man nicht vergisst."

 


Neuerscheinung, 176 Seiten, Fotos von Ulf Dahl

Preis: 5,00 EUR

ISBN: 978-3-937025-10-0

Erscheinungsjahr: 2005

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